Archiv der Kategorie: Projekte

“Unser Weg nach Deutschland”

Am letzten Donnerstag fand ein Interviewabend mit dem Titel “Unser Weg nach Deutschland” statt, eine  gemeinsame Veranstaltung der Flüchtlingshilfe Hamm e.V.  mit der ai-Gruppe Hamm und der FUgE in der VHS . Der Leiter der Volkshochschule, Herr Lammers, übernahm die Einführung in das Themenfeld und ging dabei auch auf die aktuellen Ereignisse in Chemnitz und Köthen ein. Er betonte, dass die VHS für Toleranz und Vielfalt stehe und daher froh sei, Gastgeber eines solchen Interviewabends zu sein.

Frau Monika Siegert von der Amnesty-Gruppe in Hamm moderierte die unterhaltsame Interviewrunde. Sie stellte die Teilnehmerinnen Frau Dorsa Moinipour, Frau Selda Izci und Frau Zara Behzadpour vor und läutete sogleich die erste Runde ein, indem sie fragte, welche Erfahrungen die Damen in ihrem bisherigen Leben mit Ressentiments und Fremdenfeindlichkeit gemacht hätten. Die Perspektiven unterschieden sich voneinander in auffälliger Weise. Je weniger deutsch jemand aussah, desto stärker waren die auf Diskriminierung basierenden Erfahrungen. Frau Izci berichtete davon, dass es einen erheblichen Unterschied mache, ob man als sogenannter “Biodeutscher” eine Wohnung suche oder als Mensch mit Migrationshintergrund.

Die Diskussion verfestigte sich beim Begriff der “Integration” und wieviel von den verschiedenen Akteuren dabei erwartet werden könne. Die Bandbreite ging von einer fordernden bis zu einer gebenden Haltung in dem Sinne, dass angemerkt wurde, dass nicht jede Frage nach der Herkunft unbedingt mit negativen Intentionen einhergehe. Auf der anderen Seite wurde die teils verletzende Wirkung solch einer Frage dargelegt. Frau Izci ließ die Zuschauer an den Emotionen teilhaben, die sie selbst häufig gefühlt hatte: “Deutschland ist eigentlich meine Heimat. Aber mir wird immer wieder das Gefühl gegeben, nicht deutsch zu sein.” Frau Dorsa Moinipour erwiderte: “Ich empfinde es als diskriminierend, wenn es die erste Frage ist, die mir gestellt wird. Es vermittelt: Du gehörst nicht zu uns. Es verletzt mich, wenn gedacht wird, dass ich nicht dazu gehöre.” Frau Behzahdpour entgegnete, dass solch eine Frage auch einfach ein erster Schritt der Annäherung sein könne. Und aus dem Publikum kam der Einwand, dass es auch einfach Interesse zeigen könne. Man einigte sich darauf, dass es ganz stark von der empfundenen Intention der Frage abhänge, ob sie verletzend wirke oder nicht.

Als Lösungsansatz brachte die Moderatorin, Frau Monika Siegert, ein Zitat von Herrn Aladin El-Mafaalani:

Die lebensweltliche Integration von Migranten benötigt Zeit und verläuft unspektakulär wie von selbst, wenn sich Menschen in Freiheit und Nachbarschaft begegnen, in Vereinen gemeinsame Ziele verfolgen und sich über die Unterschiedlichkeiten austauschen. Ohne Begegnungen und Austausch laufen auch die hartnäckigsten moralischen Appelle zur Integration notgedrungen ins Leere.

Wir von der Flüchtlingshilfe setzen genau dort mit unseren Angeboten an. Wenn Sie gerne neue Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund kennen lernen möchten, so laden wir Sie herzlich zu unserem Meet & Talk dienstags nachmittags in die Zentralbibliothek zwischen 16-18 Uhr ein.

Frau Monika Siegert schloss den Abend mit einem weiteren Zitat von Herrn El-Mafaalani:

Umfassende Integration, also ein freies Land für alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Sexualität, Behinderung zu sein, ist in allen Einwanderungsländern relativ neu… Zusammenwachsen dauert und tut weh.

 

#Flüchtlingshilfe-Stammtisch im Hardy’s in #Hamm

Am letzten Freitag fand wieder unser Stammtisch im Hardy’s statt. Er war wie jedes Mal international gut besucht. Bei sehr leckerem Essen und Trinken redeten wir über die aktuelle Lage für Geflüchtete in Hamm aber auch bundesweit. Die Vorkommnisse in Chemnitz vom vorletzten Wochenende boten viel Gesprächsstoff. Über die Meldungen, dass dort Nazis geradezu Menschenjagden veranstaltet hatten, zeigten wir uns äußerst bestürzt und diskutierten die Auswirkungen auf die Geflüchteten hier in Hamm. Wir hoffen, dass die Lage sich nicht weiter aufheizt und machen uns Sorgen um unsere Freunde und Bekannten, die aus fernen Ländern zu uns nach Deutschland gekommen sind, um nach teils jahrelangen Strapazen und Entbehrungen Schutz und Sicherheit zu erfahren.

Der Stammtisch findet jeden letzten Freitag im Monat im Hardy’s an der Pauluskirche statt. Jeder, der solidarisch mit Geflüchteten ist, ist herzlich Willkommen.

Malteser Cup 2018 in #Hamm

Wie jedes Jahr fand heute der heiß herbei gesehnte Malteser Cup 2018 statt. Die Flüchtlingshilfe Hamm e.V. nahm mit zwei Mannschaften teil und erreichte mit der ersten den vierten Platz von insgesamt 28 Mannschaften.

Unser herzlicher Dank gilt den Maltesern um Herrn Thilo Diekmann für die gute Organisation der Veranstaltung! Und wir versprechen nach dem Erreichen des Achtelfinals 2015, dem Erreichen des Viertelfinales 2016, dem Erreichen des Halbfinales 2017 und 2018 nächstes Jahr direkt um den Malteser Cup im Finale zu streiten. 🙂

Freundschaftskram – Eine Theaterminiatur

Die seit Februar 2017 bestehende, offene Theatergruppe „Vorhang auf!“ unseres Vereins ludt am Montagabend zu dem von den Jugendlichen selbst entworfenen Schauspiel „Freundschaftskram“ ein.

Darin gingen sie der Frage nach, was die Objekte, mit denen wir uns umgeben und die wir bei uns tragen, über die Freundschaften und Beziehungen aussagen, die wir haben oder einst hatten. An welchen Lieblingssachen hängt unser Herz und was ruft in uns Erinnerungen hervor?

Die neue erste Vorsitzende der Flüchtlingshilfe, Cordula Bodenstaff, äußerte sich begeistert über die geweckte Theaterkunst: “Wir durften uns von den Geschichten und Ideen überraschen lassen. Wie jedes Mal war es ein Erlebnis die jungen talentierten Schauspieler unter der Ägide des Ehepaars Ruda schauspielern sehen zu dürfen.  Es ist eine Freude, so viele Emotionen so hautnah mitzuerleben. Wir sind unglaublich froh, die Gruppe “Vorhang auf!” in der Flüchtlingshilfe zu haben, und sehen weiteren Aufführungen gespannt entgegen!”

Refubeats 2017 – Erste Bilder

Malteser Cup Fußballturnier

Am letzten Samstag fand der Malteser Cup der ZUE Hamm statt. 18 Mannschaften trafen sich auf dem Fußballplatz vor dem Maxipark. Die Flüchtlingshilfe Hamm nahm wie inzwischen auch in den letzten beiden Jahren wieder teil. Wir hatten so viele Spieler dabei, dass wir zwei Mannschaften stellen konnten, was kurzfristig dadurch ermöglicht wurde, dass eine andere Mannschaft nicht antrat.

Das Turnier begann, und anfangs war die zweite Mannschaft erfolgreicher als die erste. Wir konnten in der Vorrunde öfter gewinnen als es die erste Mannschaft in der anderen Gruppe schaffte. Beide Mannschaften absolvierten auch erfolgreich das Achtelfinale und trafen dann überraschenderweise im Viertelfinale aufeinander. Dort siegte die erste Mannschaft. Im Halbfinale unterlag nun leider auch die erste Mannschaft mit lediglich eins zu null gegen eine nicht übermäßig stärkere Mannschaft. Es wurde dann noch um den dritten Platz ein Neunmeterschießen veranstaltet, das die erste Mannschaft der Flüchtlingshilfe für sich entscheiden konnte.

Einen herzlichen Dank den Maltesern um Herrn Thilo Diekmann für die gute Organisation der Veranstaltung! Und wir versprechen nach dem Erreichen des Achtelfinals im vorletzten Jahr, dem Erreichen des Viertelfinales im letzten Jahr und dem Erreichen des Halbfinales in diesem Jahr nächstes Jahr direkt um den Malteser Cup im Finale streiten zu werden. 🙂

Abgründe der (Un)menschlichkeit – Kundgebung gegen das Sterben im Mittelmeer

Am Freitag, 15. September, fand um 18:00 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz eine Kundgebung gegen das Sterben im Mittelmeer und die Außenpolitik der EU diesbezüglich statt. Die gemeinsamen Organisatoren der Veranstaltung waren die Flüchtlingshilfe Hamm e. V. und Jugendliche ohne Grenzen NRW.

Athanassios Spyrou, 2. Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Hamm e.V.: „Was sich gerade im Mittelmeer abspielt ist eine humanitäre Katastrophe die ihres gleichen sucht. Es reicht nicht, dass die EU selbst keine Seenotrettung für Flüchtlinge betreibt, sondern es geht hier noch einen Schritt weiter, indem die EU Libyen finanziell darin unterstützt die Nichtregierungsorganisationen, die diese Aufgabe übernommen haben, daran zu hindern Menschenleben zu retten. Das können und wollen wir so nicht hinnehmen, deshalb fordern wir eine einheitliche Asylpolitik für Europa und vor allem ein Ende des Sterbens im Mittelmeer.“

Yehya Karaim, Sprecher von Jugendliche ohne Grenzen HAMM: „Wegzusehen, während unzählige, verzweifelte Menschen ertrinken und sich nicht an der Rettung dieser Menschen zu beteiligen ist schon schlimm genug. Nun auch noch ein Land dafür zu bezahlen andere daran zu hindern Flüchtlingen zu helfen, gibt dem Ganzen eine erschreckende, neue Dimension der Unmenschlichkeit, die wir nicht akzeptieren können.“

 

 

 

“Boarding Completed” – Ein Kommentar

Gestern fand die Premiere des vom Ehepaar Ruda mit Geflüchteten einstudierten Stückes “Boarding Completed” statt. Nachdem alle Plätze im Helios-Theater belegt waren, ging es los. Die Schauspieler betraten mit einer Selbstverständlichkeit die Bühne, als wenn sie Profis und nicht Laien, ja sogar Theaterneulinge und Teilnehmer von Deutschsprachkursen wären.

Eine Handvoll Personen strandet an einem Flughafenterminal. Es erscheint vollkommen beliebig wie einige Passagiere ins Flugzeug gelassen werden und andere die Wartezone nicht verlassen dürfen. Zur Einschüchterung erscheint dann auch noch eine Art Agent, der den Gefangenen die Pässe abnimmt und lautstark und unmissverständlich mitteilt, dass sie den Wartebereich nicht verlassen dürfen.

Die einzelnen Charaktere werden sodann herausgestellt und schnell erkennbar.

Da gibt es den Draufgänger, der die Enge der Wartezone ausnutzt, um die anwesenden Frauen anzubaggern. Es gibt die Schöne, die seine Avancen freundlich aber bestimmt zurück weist, offensichtlich ist es nicht das erste Mal, dass sie Männer in die Schranken weisen muss. Es gibt den Nerd, der sich nicht traut einer weiteren seine Gefühle zu offenbaren. Und es gibt einen, für den die Zeit nicht ein reines Warten, sondern eine Qual und am Ende sogar eine Tragödie bedeutet. Er ist von Anfang an aggressiv, muss vom Wachmann mit körperlicher Gewalt daran gehindert werden die Zone zu verlassen. Am Ende zeigt sich, warum für ihn die zeitige Weiterreise so wichtig war. Die schauspielerische Leistung ist in dem Moment erheblich, wo er uns seine Geschichte erzählt und durch glaubhafte Emotion mitreißt in seine Realität.

Zwischendurch wird man in die Gegenwart zurück geholt, etwa als auf einmal Demonstranten auftauchen und für die Freilassung der Gestrandeten demonstrieren. Tolles Stilmittel ist dabei das Verstummen und Eintauchen in ein Agieren in Zeitlupe der Demonstranten, sodass die Passagiere sich zur Situation äußern können. Sie begreifen: “Die sind unseretwegen hier.” Hoffnung keimt auf, welche der tragisch Verzweifelte sogleich wieder zerstört indem er meint: “Meint Ihr das ändert etwas? Das ändert gar nichts!”

In diesem Moment spürt man einen Klos im Hals und sieht auf einmal Ereignisse aus den letzten beiden Jahren an sich vorbei ziehen, die die Schauspieler und nicht die Rollen im Stück persönlich betreffen. Man erinnert sich an den Sommer 2015, in dem Menschen Menschen Willkommen geheißen haben und unglaublich viel Freundlichkeit zu spüren war. Und man sieht die Situation jetzt, wo tausende in Lagern festsitzen, genauso verzweifelt sind wie die Akteure im Stück, Familienmitglieder voneinander getrennt sind und eben auch wenig Hoffnung auf eine wirkliche positive Veränderung besteht.

Was dieses kleine Stück leistet ist das Versetzen in die Lage von Menschen, die gefangen sind, getrennt von denjenigen, die sie gern haben. Es bewirkt Empathie für das Erleiden von unmenschlichen Zuständen und Empathie für diejenigen Menschen, die es zu uns geschafft haben, nachdem sie oft genau diese Situationen durchlebt haben, die sie uns in dem Stück zeigen.

Chapeau liebe Theatergruppe!

Chapeau liebe Rudas!

Theaterstück “Boarding completed”

Geflüchtete Jugendliche aus Syrien und Afghanistan haben im Rahmen des offenen theaterpädagogischen Projektes “Vorhang auf!” der Flüchtlingshilfe Hamm ein Theaterstück entwickelt.
Inspiriert durch einen Fall aus dem gesellschaftspolitischen Weltgeschehen fragen die Jugendlichen in Ihrem Theaterstück „Boarding Completed“ danach, was ganz unmittelbar mit Menschen passiert, die spontan und willkürlich an den Rand der Gesellschaft gestellt werden. Unterschiedliche Charaktere treffen aufeinander, die den Zuschauer mit ihren Geschichten mal fröhlich und mal traurig stimmen.
Am 27. Juni 2017 wird das Stück im Helios-Theater in Hamm um 19:00 Uhr aufgeführt. Einlass ist um 18:30 Uhr, der Eintritt ist kostenlos.

Hier die Facebook-Veranstaltung.

https://www.paypal.me/FluechtlingshilfeHam/5