Bald ist Weihnachten

Die Zustände in den Camps in Griechenland waren immer schon
katastrophal und werden, obwohl das kaum möglich erscheint, obendrein
auch noch immer schlimmer, das ist leider nichts Neues. Neu ist aber,
dass nun selbst der Papst sich geäußert und die unhaltbaren Zustände
zutiefst verurteilt hat.

Kirsten Markwart, zweite Vorsitzende der Flüchtlingshilfe Hamm e. V.: „Genug ist genug! Wie kann es sein, dass wir hier fröhlich in den Weihnachtsvorbereitungen stecken und uns auf die Festtage freuen, während wir noch so viel humanitäre Hilfe dringend leisten müssten. Wir sprechen hier von Gefängnis ähnlichen Zuständen und Berichten von Überwachung bis hin zu Folter in den Lagern in Griechenland und dieser Zustand ist nun schon so lange unverändert, dass eigentlich niemand mehr sagen kann man habe es nicht gewusst. Anstatt uns unseren Luxusproblemen hinzugeben und das nächste überflüssige Geschenk für jemanden zu kaufen, der eigentlich alles hat, sollten wir lieber spenden, und zwar an Organisationen, die sich dafür einsetzen diese Zustände langfristig abzuschaffen und Geflüchteten eine menschenwürdige und tragbare Lösung zu bieten. Selbstverständlich werden auch wir, die Flüchtlingshilfe Hamm e. V., weiterhin alles geben an Zeit, Geld und Engagement, um uns für Geflüchtete einzusetzen und letztlich hoffentlich eben solche Lager letztmalig in die Geschichte zu verbannen und danken an dieser Stelle all‘ unseren Unterstützer:innen, die das überhaupt erst möglich machen und uns hoffentlich auch im neuen Jahr dahingehend zu Seite stehen werden, sei es monetär oder ehrenamtlich – jedes Engagement ist wertvoll und, leider, auch bitter nötig.“

Brief der Flüchtlingshilfe an den Botschafter Polens

Nach Angaben des EU-Außenbeauftragten Borrell ist der Zustrom von
Migranten nach Belarus fast unter Kontrolle. Um zu verhindern, dass
Migranten zur Weiterschleusung in die EU nach Belarus gebracht werden,
hatte Brüssel zuletzt ausländischen Fluggesellschaften mit harten
Sanktionen gedroht.
An Polens Grenze zu Belarus ist die Lage nach wie vor angespannt. Auf
der belarussischen Seite harren weiter tausende Migranten aus. Die
EU-Außenminister wollen heute über Sanktionen gegen Belarus beraten.
Aktuell hat das irakische Außenministerium erklärt, es wolle nun
eigenständig Landsleute heimholen.

Die Flüchtlingshilfe in Hamm kritisiert, dass Hilfsorganisationen und
Journalisten die Sperrzone nicht betreten dürfen. Es drohe dort eine
humanitäre Katastrophe, heißt es in einem Schreiben, dass die Hammer an
den Botschafter Polens in Berlin geschickt haben – mit der Bitte seinen
Einfluss geltend zu machen. Polen hat in der Grenzregion den
Ausnahmezustand verhängt.

Galilei-Gymnasium sammelt und spendet an Flüchtlingshilfe

Dahinter steckt eine berührende Geschichte. Der Schüler Saad aus Shingal hatte vor einiger Zeit 5€ auf dem Schulhof gefunden. Diese wollte er nicht behalten und brachte sie zu seiner Deutschlehrerin. Sie vereinbarten abzuwarten, ob das Geld abgeholt werden würde. Nach zwei Wochen jedoch hatte sich noch niemand gemeldet.
Saad wollte das Geld noch immer nicht an sich nehmen und entschied, dieses zu spenden.
Da 5€ ein vergleichsweise niedriger Betrag sind, entstand im Rahmen des Deutschunterrichts bei der Lehrerin Sarah Pfeiffenberger die Idee, eine “coronakonforme” Spendenaktion an der Schule ins Leben zu rufen. Schließlich handelte es sich bei der aktuellen Unterrichtsreihe gerade darum, überzeugende Briefe zu schreiben.
So verfasste die 7a einen Spendenaufruf an die gesamte Schule. Empfänger der Spende sollten zum einen das Tierheim Hamm sowie zum anderen die Flüchtlingshilfe Hamm e.V. sein. Insgesamt kamen dabei dann sage und schreibe 840€ zusammen. Für die Spendenübergabe nahm die Klasse den Begriff “Wandertag” beim Wort und legte einen langen Fußmarsch von der Schule zunächst zum Tierheim zurück. Hier nahm Frau Scherff die Hälfte des Geldes entgegen. Die kürzlich aufgenommenen Kitten “Kala” und “Woodie” sollten versorgt werden. Weiter ging es in den Tierpark und schlussendlich zur Flüchtlingshilfe Hamm e.V.. Dort übergab die Klasse 7a 420€ an den Kassierer, Herrn Benedikt Goeke.

Herr Goeke hieß die Klasse herzlich willkommen und bedankte sich: “Wir freuen uns über die unverhoffte Spende und Saads Großmütigkeit! Wir können das Geld sehr gut gebrauchen, da wir integrative Projekte wie Meet&Talk immer freitags um 16Uhr anbieten und gerade jetzt hoffentlich nach Corona Weiterbildungen wie Computerkurse anbieten wollen. Wenn Sie auf den gespendeten Betrag noch etwas drauf legen möchten, finden Sie unsere Kontodaten auf unserer Homepage.” Auch die Deutschlehrerin Frau Pfeiffenberger blickt mit Stolz auf ihre Klasse und natürlich Saad: “Die jetzige Zeit ist eine wie wir sie noch nicht kannten. Sie verlangt uns einiges ab. Da freue ich mich umso mehr über so viel Engagement, Unterstützung und Großherzigkeit. Das ist wirklich sehr rührend!

Weltflüchtlingstag

Zum Weltflüchtlingstag schließen wir uns dem Bedauern von ProAsyl an, dass in all den Jahren unseres Bemühens sich die Situation für Geflüchtete nicht verbessert, sondern weltweit verschlechtert hat. Als wir 2015 den Verein gründeten, waren ca. 60 Millionen Menschen auf der Flucht.[1] So viele wie damals nie zuvor. Heute sind wir bei 82 Millionen angelangt [2], ebenfalls so viele wie nie zuvor. Wann wird sich der Trend ändern? Wann werden Menschen nicht mehr gezwungen sein, ihre Heimat zu verlassen?
Die Situation im Mittelmeer hat sich zudem verschlimmert. Die EU arbeitet mit zweifelhaften Regimen und ihren Milizen zusammen und hat eine eigene Behörde, Frontex, die zuschaut, wenn Menschen aus Griechenland in die Türkei zurück gedrängt werden. Der Chef der Grenzschutzbehörde Leggeri wusste über mindestens einen dieser Vorfälle Bescheid, tat aber nichts. Frontex versagt mit seinem Schutzauftrag.

In diesen düsteren Zeiten startet die UNO-Flüchtlingshilfe eine Kampagne

#withrefugees am Weltflüchtlingstag
Gemeinsam stehen wir Seite an Seite von Geflüchteten #WITHREFUGEES [3]

Wir unterstützen diese Kampagne. Schauen Sie einmal rein und erfahren Sie, wie Sie unterstützen können.
Wir danken für Ihr Engagement!

[1] https://www.unhcr.org/dach/de/6483-flucht-und-vertreibung-2015-drastisch-gestiegen.html
[2] https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/fluechtlingszahlen , https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/aktuelles/weltfluechtlingstag
[3] https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/withrefugees

Flüchtlingshilfe fordert Deutschlands Mithilfe zur Entlastung Griechenlands

In einem aktuellen Zeitungsinterview hat Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis Deutschland dringend gebeten weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Der ausschlaggebende Punkt ist die dramatische Lage auf den Ägäischen Inseln, insbesondere der Insel Lesbos, die sich immer weiter zuspitzt. Demnach soll das Dublin Verfahren zum Umgang mit Flüchtlingen geändert werden, so dass die „Last“ in Europa besser geteilt und gemeinsam getragen wird. Während täglich rund 400 bis 500 neue Flüchtlinge dort ankommen, leben in und um die Camps gut 39.000 Menschen – ausgelegt sind diese für 7.500 Menschen. Der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Filippo Grandi, hatte kürzlich nach einer Inspektion des Lagers auf Lesbos die Lage dort als katastrophal bezeichnet. Die neue EU-Innenkommissarin Ylva Johansson hatte eine Reform der EU-Asylpolitik als dringend notwendig bezeichnet.

In einem aktuellen Zeitungsinterview hat Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis Deutschland dringend gebeten weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Der ausschlaggebende Punkt ist die dramatische Lage auf den Ägäischen Inseln, insbesondere der Insel Lesbos, die sich immer weiter zuspitzt. Demnach soll das Dublin Verfahren zum Umgang mit Flüchtlingen geändert werden, so dass die „Last“ in Europa besser geteilt und gemeinsam getragen wird. Während täglich rund 400 bis 500 neue Flüchtlinge dort ankommen, leben in und um die Camps gut 39.000 Menschen – ausgelegt sind diese für 7.500 Menschen. Der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Filippo Grandi, hatte kürzlich nach einer Inspektion des Lagers auf Lesbos die Lage dort als katastrophal bezeichnet. Die neue EU-Innenkommissarin Ylva Johansson hatte eine Reform der EU-Asylpolitik als dringend notwendig bezeichnet.

Athanassios Spyrou, Vorstandsmitglied der Flüchtlinghilfe Hamm e. V.: „Die Zustände vor Ort in Griechenland sind unbeschreiblich erschreckend und dabei absolut menschenunwürdig – das kann ich nach Gesprächen mit Einheimischen nur zusätzlich unterstreichen. Aber wen wundert das? Wem will man das verübeln? Es sollte lange klar gewesen sein, dass ein derartiger Andrang an Hilfesuchenden von einem Land allein nicht bewältigt werden kann. Und Griechenland durchlebt schon seit über 10 Jahren eine extreme Wirtschaftskrise, die Einheimischen haben so schon schwer zu kämpfen haben. Das ist an erster Stelle finanziell eine zu große Belastung, darüber hinaus aber auch eine große Herausforderung an Organisation, Infrastruktur und Sozialgefüge. Flucht ist ein globales Thema, das alle angeht – nicht nur die Länder, an deren Grenzen Geflüchtete landen. Deshalb fordern wir, nach wie vor, dass Deutschland, dass Europa als Ganzes, sofort mit der Unterstützung Griechenlands beginnt und endlich beginnt die gemeinsame Verantwortung angemessen mitzutragen.“

Eröffnung der Fotoausstellung zu Fluchtwegen von Selahattin Sevi

Am letzten Freitag eröffnete die Fotoausstellung von Selahattin Sevi in der Stadthausgalerie. “Fluchtwege – Aufbruch in eine neue Welt”. Muhammet Mertek, Lehrer an der Sophie-Scholl-Gesamtschule und Ehrenvorsitzender des Instituts für Islam und politische Bildung (IDEBI) organisierte und lud zu der Ausstellungseröffnung ein.

Film- und Diskussionsabend im Alten Bauhof

Am letzten Mittwoch fand der Film- und Diskussionsabend im Alten Bauhof in Herringen statt. Eingeladen und organisiert hat diesen das Ehepaar Grüneberg.

Der Abend begann bei sommerlichen Temperaturen mit einem kleinen Vortrag über die Flüchtlingshilfe vom Vorsitzenden, Martin Kesztyüs. Die Zuhörer waren sehr interessiert und stellten währenddessen viele Fragen zur Organisation, Anfangszeit aber auch den Gefühlen, die die Helfer der Flüchtlingshilfe bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit begleiten.

Darauf folgte die Vorführung des Films von Kamyar Dorodian, einem ehemaligen Geflüchteten aus dem Iran.

„Eine wahre Geschichte“

Der Film ist preisgekrönt im Kurzfilmwettbewerb des Lutherviertels vor zwei Jahren.

Der Film beschreibt die vielfältigen Gefahren, Enttäuschungen und Herausforderungen von Geflüchteten aus der Sicht einer jungen afghanischen Frau. Dies führte zu einer lebhaften Diskussion über Werte, Kultur und Integration.

Der Produzent, Herr Kamyar Dorodian.

Wir danken allen Organisatoren und Teilnehmer*innen für ihre Beiträge.

Die nächste Veranstaltung mit dem Thema “Heimat” findet im Herbst statt. Melden Sie sich gerne bei uns, wir leiten Sie dann an die Organisatorin weiter.

Refubeats 2018 – Ein schönes Fest

Aufbau

Gestern wurde gefeiert: Die Flüchtlingshilfe Hamm e.V. hatte zum  vierten Mal zum Fest “Refubeats” eingeladen. Bereits der Aufbau machte den Helfern ungemein Spaß.

Programm

Zum Programm gehörte wie inzwischen in jedem Jahr ein Auftritt der Hip-Hop-Gruppe “Art of Moving”, die trotz des feuchten Wetters den Gästen ordentlich einheizte. Die Nässe schreckte nicht davor ab, sich im Rahmen der Choreographie auch auf den Boden zu legen.

Die afghanischen Freunde der Flüchtlingshilfe gaben ihren beeindruckenden Schwerttanz zum Besten.

Grußworte, Musik und Tanz

Nachdem Bürgermeister Lindemann Grußworte der Stadt gesprochen  und Seiki Spyrou von der Flüchtlingshilfe sich bei all den Helfern und der Freikirche bedankt hatte, nahm das Fest seinen gewohnten Lauf mit viel Speis, Trank, Musik und Tanz.

Traurig-Schön: Bewegende Momente beim Interviewabend

Bewegend und beeindruckend war er, der Interviewabend mit Geflüchteten und Migranten. Das Motto des Abends war klar: Wir wollen Türen öffnen und über das für gewöhnlich Verborgene sprechen. Wir wollen miteinander reden – nicht übereinander.

Ein hehres Ziel, doch der Plan ging auf. Die geladenen Gäste hätten unterschiedlicher nicht sein können. Während Yvonne Chipo Makopa aus Simbabwe die Geschichte ihrer Migration nach Deutschland erzählte, berichteten Anas Hasan aus Syrien und Mohibullah Hoshang aus Afghanistan über die Umstände und das Grauen ihrer Flucht. Es war ein bewegender Abend, mit teils zutiefst traurigen, aber auch lustigen Momenten.

„Es ist nicht unser Krieg“ beantwortete Anas Hasan im Laufe des Abends die populäre Frage, warum primär junge Männer flöhen und warum diese nicht stattdessen für ihr Land kämpften. Es sei eine ausweglose Entscheidung zwischen töten und getötet werden, erläuterte er weiter. Dennoch hat er gut drei Jahre überlegt, sich vor Ort für eine bessere Zukunft eingesetzt und alles versucht, bevor er sich entschloss die Gefahren und die Ungewissheit einer Flucht gemeinsam mit seinem Bruder auf sich zu nehmen. Über die Türkei kam er durch einen Schlepper nach Deutschland. Etliche Stunden verbrachte er in einen LKW geengt mit viel zu vielen anderen Flüchtlingen, im Dunkeln, ohne ein Wort, bis er schließlich irgendwo in Deutschland ausgesetzt wurde. „Das war nicht so geil.“ sagt er und beweist gerade mit dieser Formulierung einmal mehr, wie gut er sich mittlerweile in die Deutsche Sprache und Kultur eingefunden hat.

Im starken Kontrast dazu stehen die Erlebnisse von Yvonne Chipo Makopa, die mit siebzehn Jahren durch einen Schüleraustausch das erste Mal nach Deutschland kam und später zum Studieren wiederkehrte und blieb. Auch ihr Weg war nicht leicht, doch sie muss sich mittlerweile häufig dafür rechtfertigen, dass ihre Geschichte weniger traurig erscheint – eine Begleiterscheinung der Flüchtlingszahlen, die eine absurde, sensationslüsterne Erwartungshaltung aufzeigt.

Zum Thema Integration und Leitkultur formuliert sie treffend „Man kann nicht erwarten, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft von heute auf morgen anfangen Müll zu trennen“ und fordert mehr Zeit und Nachsicht – für beide Seiten.

Auch Mohibullah Hoshang möchte sich gerne integrieren und vor allem endlich die Deutsche Sprache lernen dürfen. Als Politiker, der sich für Frauenrechte einsetzte und medial bekannt war, war er in Afghanistan den Taliban ein Dorn im Auge und wurde bedroht. So entschloss auch er sich notgedrungen zur Flucht, die allerdings erst im dritten Anlauf gelang und erschütternde Eindrücke hinterließ. In Deutschland angekommen ist seine Situation weiterhin schwierig: Ihm droht die Abschiebung in das angeblich sichere Afghanistan, weshalb er bisher bei Deutschkursen immer nur auf der Warteliste landete. Er berichtet, dass die Angehörigen einflussreicher Personen in Afghanistan häufig in Europa lebten und fragt zurecht, wie es sein könne, dass ein Land als sicher eingestuft werde, in dem sich selbst diese Menschen nicht sicher fühlten. Er erhofft sich ein Umdenken diesbezüglich von der Politik in Deutschland und setzt sich mit großem Engagement bei Kundgebungen und anderen Aktionen dafür ein dies zu erreichen.

Eindrucksvoll zeigte der Abend auch, dass es nicht „die Flucht“ gibt, sondern sich hinter jedem Schicksal eine individuelle, tragische Geschichte verbirgt. Gerade deswegen wird es auch zukünftig weitere Interviewabende mit immer neuen Gästen geben, denn es gilt nach wie vor: Wir müssen reden!