Geflüchtete Jugendliche aus Syrien und Afghanistan haben im Rahmen des offenen theaterpädagogischen Projektes „Vorhang auf!“ der Flüchtlingshilfe Hamm ein Theaterstück entwickelt.
Inspiriert durch einen Fall aus dem gesellschaftspolitischen Weltgeschehen fragen die Jugendlichen in Ihrem Theaterstück „Boarding Completed“ danach, was ganz unmittelbar mit Menschen passiert, die spontan und willkürlich an den Rand der Gesellschaft gestellt werden. Unterschiedliche Charaktere treffen aufeinander, die den Zuschauer mit ihren Geschichten mal fröhlich und mal traurig stimmen.
Am 27. Juni 2017 wird das Stück im Helios-Theater in Hamm um 19:00 Uhr aufgeführt. Einlass ist um 18:30 Uhr, der Eintritt ist kostenlos.
Willkommenskultur im Dornröschenschlaf – rückläufige Unterstützung in der Flüchtlingshilfe
Ab Juni erwartet die Stadt wieder Neuzuweisungen von Flüchtlingen. In 2017 werden insgesamt bis zu 800 Geflüchtete erwartet. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die sogenannte Willkommenskultur wieder aufleben zu lassen – es werden nach wie vor allseits Spenden und ehrenamtliche Helfer benötigt.
Martin Kesztyüs, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Hamm e. V.: „Auch wir verzeichnen leider einen deutlichen Rückgang der Spenden im Vergleich zu den vergangenen Jahren, dabei ist das Thema Integration nach wie vor dringlich und aktuell. Ebenfalls sind wir ständig auf der Suche nach weiteren Ehrenamtlichen, die uns bei unseren zahlreichen Projekten unterstützen. In den knapp über zwei Jahren unserer Tätigkeit haben wir viel bewegt und auf die Beine gestellt. Es gab zahlreiche, groß angelegte Aktionen, wie unter anderem die Aufrufe Fahrräder und Kinderwagen für Geflüchtete bereit zu stellen. Es wurden etliche Projekte ins Leben gerufen, wie Kochabende, Kunst- und Theatergruppe, regelmäßige Fußballspiele und Vieles mehr. Es wurde natürlich auch gemeinsam gefeiert: Unsere multikulturell besetzten Feste erfreuten sich jeweils großer Beliebtheit und zeigten mit absoluter Selbstverständlichkeit ein vorbildliches und friedliches Miteinander auf. Wir freuen uns sehr, dass unsere gemeinsame Arbeit so erfolgreich ist und wollen diese natürlich auf eben diesem hohen Niveau weiterführen und damit unseren Beitrag für ein harmonisches Miteinander leisten. Daher ist uns weiterhin selbstverständlich jede Hilfe willkommen, sei es finanziell oder tatkräftig. Alle Infos zu unserer Tätigkeit und Terminen finden Sie hier auf unserer Homepage www.fluechtlingshilfe-hamm.de. Kommen Sie einfach auf uns zu, wir freuen uns, Sie kennenzulernen.“
Traurig-Schön: Bewegende Momente beim Interviewabend
Bewegend und beeindruckend war er, der Interviewabend mit Geflüchteten und Migranten. Das Motto des Abends war klar: Wir wollen Türen öffnen und über das für gewöhnlich Verborgene sprechen. Wir wollen miteinander reden – nicht übereinander.
Ein hehres Ziel, doch der Plan ging auf. Die geladenen Gäste hätten unterschiedlicher nicht sein können. Während Yvonne Chipo Makopa aus Simbabwe die Geschichte ihrer Migration nach Deutschland erzählte, berichteten Anas Hasan aus Syrien und Mohibullah Hoshang aus Afghanistan über die Umstände und das Grauen ihrer Flucht. Es war ein bewegender Abend, mit teils zutiefst traurigen, aber auch lustigen Momenten.
„Es ist nicht unser Krieg“ beantwortete Anas Hasan im Laufe des Abends die populäre Frage, warum primär junge Männer flöhen und warum diese nicht stattdessen für ihr Land kämpften. Es sei eine ausweglose Entscheidung zwischen töten und getötet werden, erläuterte er weiter. Dennoch hat er gut drei Jahre überlegt, sich vor Ort für eine bessere Zukunft eingesetzt und alles versucht, bevor er sich entschloss die Gefahren und die Ungewissheit einer Flucht gemeinsam mit seinem Bruder auf sich zu nehmen. Über die Türkei kam er durch einen Schlepper nach Deutschland. Etliche Stunden verbrachte er in einen LKW geengt mit viel zu vielen anderen Flüchtlingen, im Dunkeln, ohne ein Wort, bis er schließlich irgendwo in Deutschland ausgesetzt wurde. „Das war nicht so geil.“ sagt er und beweist gerade mit dieser Formulierung einmal mehr, wie gut er sich mittlerweile in die Deutsche Sprache und Kultur eingefunden hat.
Im starken Kontrast dazu stehen die Erlebnisse von Yvonne Chipo Makopa, die mit siebzehn Jahren durch einen Schüleraustausch das erste Mal nach Deutschland kam und später zum Studieren wiederkehrte und blieb. Auch ihr Weg war nicht leicht, doch sie muss sich mittlerweile häufig dafür rechtfertigen, dass ihre Geschichte weniger traurig erscheint – eine Begleiterscheinung der Flüchtlingszahlen, die eine absurde, sensationslüsterne Erwartungshaltung aufzeigt.
Zum Thema Integration und Leitkultur formuliert sie treffend „Man kann nicht erwarten, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft von heute auf morgen anfangen Müll zu trennen“ und fordert mehr Zeit und Nachsicht – für beide Seiten.
Auch Mohibullah Hoshang möchte sich gerne integrieren und vor allem endlich die Deutsche Sprache lernen dürfen. Als Politiker, der sich für Frauenrechte einsetzte und medial bekannt war, war er in Afghanistan den Taliban ein Dorn im Auge und wurde bedroht. So entschloss auch er sich notgedrungen zur Flucht, die allerdings erst im dritten Anlauf gelang und erschütternde Eindrücke hinterließ. In Deutschland angekommen ist seine Situation weiterhin schwierig: Ihm droht die Abschiebung in das angeblich sichere Afghanistan, weshalb er bisher bei Deutschkursen immer nur auf der Warteliste landete. Er berichtet, dass die Angehörigen einflussreicher Personen in Afghanistan häufig in Europa lebten und fragt zurecht, wie es sein könne, dass ein Land als sicher eingestuft werde, in dem sich selbst diese Menschen nicht sicher fühlten. Er erhofft sich ein Umdenken diesbezüglich von der Politik in Deutschland und setzt sich mit großem Engagement bei Kundgebungen und anderen Aktionen dafür ein dies zu erreichen.
Eindrucksvoll zeigte der Abend auch, dass es nicht „die Flucht“ gibt, sondern sich hinter jedem Schicksal eine individuelle, tragische Geschichte verbirgt. Gerade deswegen wird es auch zukünftig weitere Interviewabende mit immer neuen Gästen geben, denn es gilt nach wie vor: Wir müssen reden!
Zweijähriger Geburtstag der Flüchtlingshilfe Hamm e.V.
Am 26.03.2017 wurden wir zwei Jahre alt.
In diesen insgesamt 730 Tagen gab es wohl vermutlich nichts Positives aber auch Negatives was wir nicht erlebt haben.
Dennoch überwiegen für uns tatsächlich die schönen, hoffnungsvollen und lustigen Ereignisse. Wir alle sind sehr zufrieden mit der Entwicklung über diese zwei Jahre und dem bislang Erreichtem.
Dennoch wissen wir natürlich auch, dass weiterhin noch sehr viel Arbeit vor uns liegt. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir diese mit unserem tollen Team bewältigen werden.
Danke an alle Helfer, denn mit eurer Arbeit steht und fällt die Qualität und Effektivität der Flüchtlingshilfe Hamm!
😘
Anbei ein paar Fotos von unserer schönen Geburtstagsfeier.
































