Abendgespräch zur Lage in Afghanistan

Am 14.12.18 fand das Abendgespräch zur Lage in Afghanistan statt. Die FUgE hatte die Veranstaltung unter Mitwirkung von Flüchtlingshilfe Hamm e.V., VHS und  von Aktionsgemeinschaft Afghanischer Flüchtlinge Hamm organisiert.

Claudia Hartig von der Flüchtlingshilfe eröffnete den Abend.

Edgar Boes-Wenner begrüßte die Zuschauer im Namen der VHS.

Friederike Stahlmann vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung referierte anschließend über die aktuelle Lage in Afghanistan.

Sie brachte eigene Erfahrungen in ihren Vortrag ein, konnte mit Sprachkenntnissen in Dari aufwarten und stellte die Einschätzung der Bundesregierung zur Sicherheitslage in Afghanistan in Frage. So verwies sie darauf, dass die UN-Sondergesandte schon 2016 konstatierte, dass die UN es als Erfolg werten würde, wenn Afghanistan das Jahr 2016 überstehe und sich die Lage seither massiv verschlechtert habe. Dennoch hält Deutschland es weiterhin für statthaft dorthin abzuschieben. Sie legte anhand einer Erhebung dar, wie die Situation von Rückkehrern und ihren Familien ist. So konnte bisher niemand eine Existenz aufbauen. Viele sind von Verfolgung betroffen, einige sterben.

Anschließend las Hoshang, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Afghanischer Flüchtlinge Hamm, eine Stellungnahme vor.

Er schloss mit folgender Aussage:

“Bitte schieben Sie Flüchtlinge nicht ab. Ich wünsche friedliche Weihnachten.”

Danach ergab sich eine lebhafte Fragerunde, in der auch die in rechten Kreisen oft zu hörende Meinung geäußert wurde, dass Geflüchtete selbst an ihrem Schicksal im Heimatland schuld seien und es selbst wieder aufbauen sollten. Frau Stahlmann, Herr Hoshang und mehrere Personen aus dem Zuschauerbereich legten dar, dass diese Aussage bezogen auf Afghanistan abwegig sei, da Afghanistan seit Jahrzehnten ein durch Weltmächte zerrissenes Land sei, welches überhaupt nicht die Chance erhalten habe, autark zu sein und einen funktionierenden Staat aufzubauen. Die Familien würden dagegen erpicht sein, ihren Kindern ein einigermaßen sicheres Leben zu ermöglichen, was in vielen Fällen aufgrund der Agitation der Taliban aber auch von Weltmächten wie USA, Russland, dem Iran und Pakistan unmöglich gemacht werde.